Intelligent and Green? - Nutzer-zentrierte Szenarien für den Einsatz von I&K-Technologien in Wohngebäuden unter dem Gesichtspunkt ihrer Umwelt- und Sozialverträglichkeit

Nutzer­zentrierte Szenarien für den Einsatz von I&K-Technologien in Wohngebäuden unter dem Gesichtspunkt ihrer Umwelt- und Sozial­verträglichkeit

Title and Synopsis

Intelligent and green? User centred scenarios for information technology use in sustainable buildings

The project will ask for the contribution of information technology use to the environmental performance of buildings - in terms of the vision of designers, practical use in existing projects and expectations of potential users.


Inhaltsbeschreibung, Inhaltsverzeichnis

Status

abgeschlossen

Kurzfassung

Inhalt und Methode

Ziel des vorliegenden Projekts ist die Entwicklung nutzer-zentrierter Perspektiven für den Einsatz von Informations- und Kommunikati-onstechnologien (IKT) in 'nachhaltigen Wohngebäuden'. Im Rahmen des Projekts wurde einerseits den Schnittstellen zwischen den in Gebäude und Wohnung eingesetzten I&K-Technologien (eingeschränkt auf ökologisch relevante Applikationen) und den sie nutzenden BewohnerInnen besondere Aufmerksamkeit geschenkt, zum anderen werden Zukunftsperspektiven und Einsatzpotentiale für Gebäude-I&K-Anwendungen unter intensiver Beteiligung von potenziellen NutzerInnen und anderen Stakeholdergruppen entwickelt.

Projektschritte und Methoden

  1. Ausarbeitung von Rahmenszenarien, die sowohl abschätzbare technologische Veränderungen als auch sozialkulturelle Verände-rungen und gesellschaftliche Trends erfassen. Damit wird ein Rahmen für zukünftige Einsatzpotentiale von I&K-Technologien in Wohngebäuden abgesteckt.
  2. Experteninterviews mit Herstellerfirmen und Anbietern von Dienstleistungen bezüglich der Perspektiven und Vorstellungen über künftige umweltrelevante Einsatzgebiete, Serviceleistungen sowie relevante Nutzergruppen. Zur Identifikation von Anforderungen an diese Technologien aus Nachhaltigkeitsgesichtspunkten wurden auch EnergieexpertInnen, PlanerInnen und ArchitektInnen in die Befragung einbezogen.
  3. Angelehnt an das niederländische 'consumer Constructive Technology Assessment' wurde eine Serie von drei Stakeholder-Workshops organisiert, in welchen 15 bis 20 Hersteller, KonsumentenvertreterInnen, ArchitektInnen und andere, Smart-Home-Technologien kritisch bewerteten und gemeinsame Nutzungsvisionen bis hin zu konkreten Produktvorschlägen entwickelten.
  4. Durchführung von vier Fokusgruppen mit unterschiedlicher Zusammensetzung, die unterschiedliche Zugänge abdecken sollen (Einfamilienhäuser vs. Geschosswohnbauten, BewohnerInnen aus ökologischen Wohngebäuden vs. Standard- bzw. IKT-orientierten Gebäuden). Im Rahmen dieser Gruppendiskussionen mit 5 bis 8 Beteiligten wurden Erwartungen und Wünsche potentieller AnwenderInnen diskutiert und die Produktideen aus den Stakeholder-Workshops aufgegriffen.
  5. Neben Experteninterviews und Nutzerfokusgruppen war das dritte empirische Erhebungspaket die detaillierte Analyse von Nutzererfahrungen in bereits bestehenden Smart Homes. Dabei wurden vor allem Einfamilienhäuser besucht, da solche Technologien in Geschosswohnbauten bisher so gut wie nicht eingesetzt werden.
  6. Abgeschlossen wurde das Projekt durch einen internationalen Workshop, in dem Erfahrungen über die Nutzung von I&K-Technologien in Wohngebäuden ausgetauscht wurden. Im Zentrum standen auch hier mögliche Beiträge vom Smart Homes zur ökologisch nachhaltigen Nutzung dieser Gebäude bzw. die Frage, wie ökologische und Nutzeraspekte zukünftig gestärkt werden können.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen

Wie die Ergebnisse der Interviews und Recherchen zeigen, befinden sich die Rahmenbedingungen für 'Smart Homes', d.h. die Vernet-zung von Geräten (weiße oder braune Ware), Haustechnik (Heizung, Lüftung, Licht) in Verbindung mit Sensoren (z.B. Helligkeit, Anwe-senheit) und Aktoren (z.B. Schließen des Dachfensters) und entsprechenden Nutzerschnittstellen (Displays, Sprachausgabe, etc.) sowie die Anbindung des Gebäudes an externe Datennetze und Dienstleistungen, derzeit in einer dynamischen Entwicklung - sowohl auf technologischer Ebene (Funktechnologien, Plug&Play, Interoperabilität von Standards) als auch auf der Ebene sozio-ökonomischer Rahmenbedingungen (z.B. Liberalisierung der Energiemärkte und Druck zum Angebot von add-on Dienstleistungen, zunehmende Anzahl älterer Menschen mit hohem Selbstständigkeitsbedürfnis). Wichtig ist es dabei, 'Smart Homes' nicht nur aus der klassischen Perspektive der Gebäudeautomatisierung zu sehen, sondern als heterogenes Bündel technologischer Anwendungen, Infrastrukturen und Dienstleistungen.

Die Verbreitung von Smart Homes in Österreich ist derzeit noch sehr gering - Statistiken sind keine vorhanden, aber die Schätzungen liegen in einer Größenordnung von maximal einigen tausend Wohngebäuden. Dabei handelt es sich fast durchgehend um Einfamilienhäuser im eher gehobenen Preissegment, nur in Vorarlberg gibt es ein Bauunternehmen, dass speziell 'multimediales Wohnen' anbietet und versucht neue Märkte (z.B. Seniorenwohnen) zu entwickeln. Auch Dienstleistungsangebote, etwa von Energieversorgern, gibt es auf breiterer Ebene nur etwa in Skandinavien, aber nicht in Österreich. Dennoch gehen viele der interviewten ExpertInnen von einer zukünftig deutlich kräftigeren Entwicklung des Marktes für intelligente Gebäude aus.

Aus Nachhaltigkeitsgesichtspunkten gibt es eine Reihe von Anwendungen von Smart Homes - vor allem zur effizienteren Energienutzung: Energiemanagement (bessere Regelmöglichkeiten und Hausautomatisation), Energieverbrauchsfeedback (z.B. aufbereitet im Internet), Lastmanagement als Dienstleistung der EVU oder Internet-Community-Plattformen (z.B. zur Organisation von Car-Sharing). Diesen schwer quantifizierbaren Einsparungen steht allerdings ein steigender Elektrizitätsverbrauch durch eine zunehmende Technisie-rung der Haushalte (Beispiel elektrische Jalousien) und einer Vielzahl von Geräten im Stand-by-Modus entgegen.

Basierend auf den Interviews und Workshops mit Herstellern und EnergieexpertInnen, Fokusgruppen mit potentiellen NutzerInnen und qualitativen Interviews von tatsächlichen NutzerInnen von Smart Homes muss gesagt werden, dass aus Nachhaltigkeitsperspektive die Forcierung von Smart Homes keine vordringliche Option darstellt - die erzielbare Ressourceneffizienz ist mit anderen Maßnahmen weit effektiver zu erreichen. Eher geht es darum, den bestehenden Entwicklungen im Smart-Home-Bereich ökologische Impulse zu geben - etwa durch exemplarische Integration solcher Technologien in ökologische Gebäude und Entwicklung plausibler ökologischer Anwendungen.

Die Hauptschwierigkeit liegt derzeit darin, dass der Nutzen bestehender Anwendungen schwer zu vermitteln ist. Es fehlen weitgehend Anwendungen, die einen hohen Nutzwert versprechen und nicht anders ebensogut realisiert werden können. Weiters wird der erforderliche organisatorisch-institutionelle Kontext von Anwendungen (z.B. automatische Benachrichtigung des Kundendienstes bei Gerätestörungen) und die nötige Plausibilität von Nutzungen (Stichwort intelligenter Kühlschrank) oft stark vernachlässigt.


Bibliografische Daten

Intelligent and Green? Nutzerzentrierte Szenarien für den Einsatz von I&K-Technologien in Wohngebäuden unter dem Gesichtspunkt ihrer Umwelt- und Sozialverträglichkeit

Endbericht

Auftragnehmer:
DI Mag. Harald Rohracher, Interuniversitäres Forschungszentrum für Technik, Arbeit und Kultur (IFF/IFZ)

Autoren:
DI Mag. Harald Rohracher und Mag. Dr. Michael Ornetzeder
unter Mitarbeit von Mag. Dr. Uli Kozeluh und Mag. Bernhard Saupe

Berichte aus Energie- und Umweltforschung 26/2002

Graz, März 2002
227 Seiten


Download

Intelligent and Green? - Nutzer-zentrierte Szenarien für den Einsatz von I&K-Technologien in Wohngebäuden unter dem Gesichtspunkt ihrer Umwelt- und Sozialverträglichkeit

Schriftenreihe 26/2002 H. Rohracher
Deutsch, 233 Seiten, vergriffen

Downloads zur Publikation


Projektbeteiligte

Projektleiter: DI Mag. Harald Rohracher
Interuniversitäres Forschungszentrum für Technik, Arbeit und Kultur (IFF/IFZ)
Partner:

Mag. Dr. Michael Ornetzeder
Zentrum für soziale Innovation (ZSI)

Kontakt

Harald Rohracher
Interuniversitäres Forschungszentrum für Technik, Arbeit und Kultur (IFZ)
Schlögelgasse 2
A 8010 Graz
Tel.: +43 316 813909-24
Fax: +43 316 810274
E-Mail: Rohracher@ifz.tu-graz.ac.at


top